Da unsere heutige Welt inzwischen nicht mehr ohne digitaler Kommunikation funktioniert, ist es von höchster Wichtigkeit, dass sie die an sie gestellten Ansprüche nachhaltig erfüllt und aus den heute noch mit Chaos und Wildwuchs gestrickten Kinderschuhen herauswächst. Der lobenswerte Ansatz des Bundesverkehrsministers Datenautobahnen (= Kommunikationsinfrastruktur) auf Basis Glasfaser flächendeckend herzustellen wird aber nur dann ausreichend Erfolg haben, wenn alle nachstehend beschriebenen Richtlinien, zeitliche und technologische Schlüsselkriterien der Infrastruktur nicht durch unterschiedliche Firmeninteressen ausgehöhlt werden.

Der rasante Anstieg der Datenströme auf allen Gebieten und weltweit erfordert ein rasches Umdenken: Die Schwerlastträger der digitalen Zukunft können nur Glasfaser- und BK-Netze sein. Allerdings haben wg. der nicht mehr wegzudenkenden digitalen Mobilität in diesem Szenario kurze Funkstrecken modernster Technologie (G4/G5 usw.) im Indoor- und Outdoorbereich ebenfalls herausragende Funktion. Dort können sie ihre Notwendigkeit beweisen mit einem Bruchteil des heutigen Energieverbrauchs.

Deshalb: ein Lob an den Minister
Bravo, Herr Minister Dobrinth!

Starten Sie weiterhin durch und schaffen Sie Rahmenbedingungen, die in Deutschland eine flächendeckende leistungs- und zukunftsfähige Kommunikationsinfrastruktur ermöglicht und der Wirtschaft wie den privaten Nutzern gleichermaßen zu Gute kommt mit:

  • hohen Daten-Transferraten (mind. 200 MBit/s)
  • fast unbegrenzten VDSL-Anschlusszahlen (nur via Glasfaser und BK-Kabel)
  • geringsten gegenseitigen Störungen
  • allen Diensten der Mobilen Kommunikation (MK),von digitalen TV-und Radioangeboten über Mobilfunk und CloudComputing / Streaming bis zu Smartcar driving und nicht zu vergessen: dem Internet der Dinge.
  • einem einheitlichen Transportprotokoll für alle vorstehenden Dienste
  • hoher Abhörsicherheit gegenüber Funk
  • geringsten Gesundheitsrisiken
  • erheblich reduziertem Leistungsaufnahme (GreenIT). Auf die gesamte IKT bezogen sind hier zwischen 1% und 5% (bis ca. 5 Terawatt/J.) der gesamten elektrischen Leistungsaufnahme Deutschlands einsparbar! Damit bezahlt sich innerhalb von 10 Jahren der Kabel-/ Glasfaserinfrastruktur-Ausbau selbst.

Die meisten Eigenschaften dieser Technologie wurden bereits 2002-04 von deutschen Hochschulinstituten konzipiert (miniWatt 1+2) und durch das weltweite Agieren des Small Cell Forums so weit voran getrieben, dass es für einen sofortigen Umbau kein technisch ungelöstes Problem mehr gibt, sondern nur wirtschaft- und vertragliche und psychologische Barrieren. Hier hätte bereits vor mehr als 5 Jahren auf diese Konzepte ein Umsteuern einsetzen können und müssen, wenn sich nicht die völlig zerstrittene IKT-Wirtschaft nur in einem Punkt einig gewesen wäre: „Die Politik muss sich aus dieser komplizierten Hochtechnologie heraushalten, wir schaffen die Zukunft allein!“

Die Realität macht jedoch deprimierend Engpässe, Mankos, Unzufriedenheiten, Gewinn- und Umsatzflauten dieses Industriezweiges gegenüber der „Rest“-Welt sichtbar. Glaubt man der Welt vom 16.10.2012, so taucht Deutschland beim Ranking der per Glasfaser angeschlossenen Haushalte unter den ersten 20 Ländern gar nicht auf. Sogar Rumänien liegt vor uns. Auch die CeBit 2014 kann dies nicht durch den Focus auf Industrie 4.0 (Internet der Dinge) verkleistern.

Viel besser sähe es jedoch aus, wenn alle Breitband- Kupfer- und Coax-Netze mit in diese Infrastruktur einbezogen würden; verhindern Sie deshalb, dass diese auf dem Markt von großen Mitbewerbern behindert werden.

Deshalb:

  1. Fahren Sie bitte fort in Ihrem Bemühen, die deutschen IKT-Unternehmen an einen Tisch zu bringen. Nicht nur wegen der Glasfaser, sondern fordern Sie von der IKT-Industrie eine viel breiter angelegte Road Map, aber besetzen Sie einige Meilensteine vorher.
  2. Setzen Sie eine Zweiteilung des IKT-Marktes durch mit Bereichen
    • in denen der marktwirtschaftliche Wettbewerb weiterhin gilt
    • in denen gesamtgesellschaftliche Interessen Vorrang haben.
      (d.H. Wegfall der heute parallel betriebenen K.-Infrastrukturen (z.B. ca. 14 parallele Funknetze), sondern Beauftragung eines (von der Kommune marktwirtschaftlich ermittelten) Betreibers einer alles transportierenden Infrastruktur (sei sie aus Glasfaser-, Kupfer- oder Coax-Kabel) wie das bei allen anderen kommunalen Infrastrukturen (z.B.: Straßen und Energieversorgungsnetzen der Fall ist). Integrieren Sie alle heute bereits bestehenden Kabel-Teilnetze.

Dieser Weg kann nur erfolgreich gemeinsam gegangen werden und wird hier wie folgt skizziert:

  • Strikte Trennung der Indoor- von der Outdoorversorgung. Dazu muss die Sendeleistung für die Outdoorversorgung um einige 10er-Potenzen abgesenkt werden und dies kann sie auch ohne Versorgungslücken, weil sie dann ja keine Dämpfung durch Wände und Kellerdecken mehr zu überwinden hat. Setzen Sie dabei das ALARA-Prinzip durch; die Energieersparnis wird Ihnen dafür ein Denkmal setzen.
  • Eine einzige Protokollfamilie (TCP/IP) für alle Kommunikationsdienste, damit es keine künstlichen Hürden mehr bei Wechseln von Dienstleistern und bei technischer Weiterentwicklung gibt.
  • Keine Verlängerung der GSM-Technologie (2G-Netz) über das Ablaufdatum 2016 hinaus, weil diese durch veraltete Einbuch- und Handover-Prozeduren dem Umbau auf die höhere Leistungsfähigkeit von UMTS (3G-Netz) und LTE (4G/5G-Netz) entgegensteht. Aber höhere Leistungsfähigkeit heißt nicht: Mehr Sendeleistung und höhere Immissionen, sondern das Gegenteil. Außerdem werden auf dem Migrationpfad diese GSM-Frequenzbänder für einen möglichst reibungsfreien Umbau auf LTE benötigt. Sorgen Sie bitte auch dafür, dass die GSM-Technologie im technischen Bereich (z.B.: SmartGrid) nicht weiter zum Einsatz kommt, denn auch dafür gelten die vorstehenden Argumente.
  • Ablösung bzw. Überführung der heutigen WLAN-Routerprozeduren und -geräte im Privatbereich in kleine UMTS-Basisstationen (Femtozellen), deren Senderadien sich auf einen Raum begrenzen lassen. Damit könnten
    • alle auf dem Markt befindlichen UMTS-beherrschenden mobilen Endgeräte wie Handys, Smartphones und Tablets sofort weiterarbeiten und
    • die heutigen Störpotenziale und Engpässe des WLAN sofort extrem gesenkt werden.
  • Begrenzung der Laufzeit heutiger Inhouse-Netzwerke auf Basis der WLAN-Normen, um im richtigen Umbautakt der nachfolgenden WLAN-Generationen auf Basis UMTS/LTE/VLC Einzug zu ermöglichen. Denn gerade was WLAN betrifft ist Eile geboten, weil hier wieder riesige Geldsummen ohne nachhaltigen Nutzen versenkt werden für die Schnellschüsse „Freies WLAN für alle“ in vielen Innenstädten.
    Parallele WLAN-Netze der heutigen Mbf-Betreiber sind die Fortführung der bisher verkehrt aufgebauten großen Mobilfunkzellen - nur mit noch größerem Stör- und Schadenspotenzial, weil überhaupt nicht abhörsicher!
  • Keine Anbindung ländlicher Bereiche durch ausgedehnte, aber transferleistungsschwache LTE-Zellen, sondern, wenn drahtlos: hochleistungsfähige Richtfunkstrecken als Mittelpunkt dieser Gebiete und ab da lokale, kabelgebundene preiswerte Verteilung aller MK-Dienste in die einzelnen Haushalte.
  • Keine Rücksichtnahme auf die verkehrte Investitionspolitik der DT-AG. Diese war noch 2009 der Meinung, Femtozellen sind der verkehrte Weg. Dieser selbstgemachte Fehler darf heute nicht den Umbau bremsen. Vodafone und O2 haben seit mehr als einem Jahr diese Technologie (UMTS-Femtozellen) in Deutschland auf dem Markt, was ein sofortiges Durchstarten ermöglicht, sobald vertragliche Hürden zwischen den Marktakteuren durch sanftem Druck der Politik aufgelöst sind.

Abschluss:

Lieber Herr Dobrinth, lassen Sie bitte kein „Stückwerk“ zu, denn wenn z.B. nur das Glasfasernetz ohne die anderen Maßnahmen ausgebaut würde, beseitigt dies nicht die anderen Problemfälle. Die von Ihnen geschätzten 20 Mia € tragen sich umso besser, je konsequenter das gesamte Paket im koordinierten Zeitplan realisiert wird. Anschwellende Steuereinnahmen werden Ihnen das Lob Ihres Kollegen Finanzminister garantieren. Auch der Justizminister kann sich dann am Lob beteiligen, weil ein eklatanter Bruch der Grundgesetz „Art. 13, Unverletzlichkeit des Wohnung“ hinsichtlich der heute nicht zu verhindernden Durchstrahlung durch Funkwellen automatisch aufhören wird. Wer eine funkfreie Wohnung / Zimmer haben möchte, hätte diese/s dann automatisch.