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Am 8./9. Oktober 2011 trafen sich 580 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Gelsenkirchen zum 2. Internationalen Umweltratschlag. Darunter waren internationale Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem aus Brasilien, Chile, Japan, Niederlande, Peru, Schweiz, Sri Lanka, Südafrika, Türkei, Ukraine und USA. In zwei Plenumsdiskussionen, 10 Foren und 14 Workshops wurde diskutiert:

Die Menschheit steht an einem Scheideweg: Die Lebensgrundlagen und die Zukunft der heutigen und zukünftiger Generationen sind unmittelbar in Frage gestellt. Es entwickelt sich die ernste Möglichkeit, dass die Menschheit auf diesem Planeten nicht überleben kann. Diese dramatische Situation stellt die internationale Umweltbewegung vor die Herausforderung, eine neue Qualität der weltweiten, dauerhaften und verlässlichen Zusammenarbeit zu entwickeln.

Wesentliche Faktoren in der Entwicklung zu einer globalen Umweltkatastrophe, die sich in enger Wechselwirkung entwickeln, sind:

  • der Übergang zur globalen Klimakatastrophe durch Emission von Treibhausgasen,
  • die diesjährige Herausbildung des bisher größten Ozonlochs auf der Nordhalbkugel,
  • die radioaktive Verseuchung der Erde, die durch die nukleare Katastrophe von Fukushima enorm verstärkt wurde
  • die Zerstörung der Biosphäre der Meere, der Regenwälder, der Tier‐ und Pflanzenvielfalt untergraben die Grundlagen der Nahrungsmittelproduktion,
  • die Verseuchung der Umwelt durch Elektrosmog,
  • der gnadenlose Raubbau an Ressourcen beispielsweise Fracking und Agrarsprit,
  • neue Risikotechnologien, wie CCS und Gentechnik, die als Bestandteil von Greenwashing Strategien entwickelt werden und verheerende Folgen haben
  • sinnlose Großprojekte, wie Stuttgart 21 oder der Ausbau von Großflughäfen.

Wir wollen die Entwicklung zur globalen Umweltkatastrophe stoppen. Und wir wollen mehr als das: Wir stellen das gesamte destruktive System zu produzieren und zu leben in Frage. Wir wollen in Einheit von Mensch und Natur leben. Die technischen Voraussetzungen für ein Wirtschaften in Einheit mit der Natur sind weitgehend entwickelt. 100% erneuerbare Energieversorgung, die Verbannung von Umweltgiften und ein Stopp des Raubbaus durch umfassende Kreislaufwirtschaft sind längst möglich. Um dies durchzusetzen, müssen wir eine Überlegenheit über die Hauptverursacher, die internationalen Monopolen und Banken, herstellen. Wie kann es gelingen, die Herrschenden zu besiegen, die heute in dieser Welt bestimmen und die Existenz von Mensch und Natur akut gefährden? Das war eine zentrale Diskussion auf diesem Umweltratschlag. In einer kameradschaftlichen Atmosphäre wurden dazu die Errungenschaften und Schwächen der bisherigen Umwelt‐, Arbeiter‐ und sozialen Bewegungen auswertet. Solche Herausforderungen erfordern neue Wege.

Die Umweltbewegung ist inzwischen in Deutschland und international zur größten Bewegung des aktiven Widerstands herangewachsen. Es gibt Sachkompetenz und viele fundierte, engagierte und kreative Beiträge zur Entwicklung eines Umweltbewusstseins. Die aktiven Bewegungen sind jedoch zu zersplittert, die Projekte oft vereinzelt. Die Hoffnung auf die Vernunft und Einsicht der Herrschenden hat sich als bare Illusion erwiesen. Die Umweltfrage kann nur in Verbindung mit den sozialen Fragen gelöst werden. Die internationale Arbeiterbewegung wird die Umweltbewegung enorm stärken, wenn das spalterische Dogma der „Vereinbarkeit der kapitalistischen Ökonomie mit der Ökologie“ überwunden wird, wie auch eine Unterschätzung der Umweltfrage. Die internationale Umweltbewegung wird die Arbeiterbewegung stärken und bereichern, wenn Vorbehalte und Dominanzansprüche ausgeräumt werden.

Soziale Bewegungen sind heute nur dann zukunftsfähig, wenn sie angesichts neuer Herausforderungen sich selbst verändern, weiter entwickeln und offen sind für neue Bündnispartner/innen. Dann können wir eine Gesellschaft erkämpfen, in der die zerstörerischen Kräfte des Finanzkapitals ausgeschaltet sind und in der die Einheit von Mensch und Natur verwirklicht wird.

Notwendig ist es, heute alle Kräfte zusammenzuschließen, das Trennende zurückzustellen, weltanschaulich offen und demokratisch zusammenzuarbeiten und dabei bereit zu sein, einen entschlossenen Widerstand gegen die Herrschenden zu entwickeln. Dazu gibt es verschiedene vorwärtsweisende Überlegungen auf diesem Umweltratschlag, von der Koordination der Bewegungen, der engen Zusammenarbeit zwischen Arbeiterbewegung und Umweltbewegung bis hin zum Aufbau einer breiten überparteilichen Widerstandsorganisation zur Verteidigung unserer Lebensgrundlagen. Der Gedanke „Wir sind hier viele Organisationen, aber handeln müssen wir wie Eine“ ‐ fand breite Zustimmung. Die Überlegung, eine Umweltgewerkschaft als starke, impulsgebende und kampferfahrene Organisation von Umweltschützer/innen, Arbeiter/innen, Angestellten, der Jugend, Frauen, kritischen Wissenschaftlern aufzubauen, wurde dabei als eine mögliche neue Richtung positiv aufgegriffen, aber auch kontrovers diskutiert.

Die globale Umweltkatastrophe entwickelt sich als internationaler Faktor und kann nicht nur in einzelnen Ländern erfolgreich bekämpft werden. Das Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen im Jahr 2009 hat bestätigt, dass von den Herrschenden in Punkto Umweltschutz nichts zu erwarten ist. Der Umweltratschlag begrüßt die „Weltkonferenz zum Schutze der Rechte der Mutter Erde“ in Cochabamba, Bolivien im Jahr 2010. In ihrer Erklärung vom 22. April 2010 heißt es:
„Das kapitalistische System hat uns eine Denkweise der Konkurrenz, des Fortschritts und des Wachstums ohne Grenzen aufgezwungen. Dieses Produktions‐ und Konsumregime strebt nach schrankenlosem Profit, es trennt den Menschen von der Natur und folgt einer Logik der Herrschaft über diese, es verwandelt alles in Ware: das Wasser, den Boden, die menschlichen Gene, die überlieferten Kulturen, die Biodiversität, die Gerechtigkeit, die Ethik, die Rechte der Völker, selbst den Tod und das Leben.“

Der Umweltratschlag unterstützt die Forderung von Cochabamba nach einem Klimaschutzabkommen der Völker mit einer drastischen Senkung der Treibhausemissionen. Der Aufruf, eine Weltbewegung der Völker für die Mutter Erde aufzubauen bestärkt uns in dem Gedanken des 1. Umweltratschlags 2009, einen internationalen Dachverband der Umweltbewegung aufzubauen. Die Umweltbewegung muss international verbunden sein: Global denken und lokal, regional und global handeln. Dies schließt ein die internationale Solidarität mit den Umwelt‐ und antikolonialen Bewegungen in den Entwicklungsländern, die durch die Raubzüge des Finanzkapitals besonders von Zerstörungen ihrer Lebensgrundlagen betroffen sind und die praktische Solidarität gegen die Unterdrückung des aktiven Widerstands durch die Staatsapparate in vielen Ländern.

Wir rufen auf zu einer Strategiediskussion der internationalen Umweltbewegung! Wir tragen sie in unsere Organisationen, Initiativen, Arbeit‐ und Lebenszusammenhänge! Die Ergebnisse werden wir 2012 in einem Treffen konzentrieren und praktische Schlussfolgerungen einleiten.

Wir rufen dazu auf, gemeinsam in 2 Jahren den 3. Internationalen Umweltratschlag zu organisieren. Wir beauftragen eine Koordinierungsgruppe mit der Auswertung und Veröffentlichung der Ergebnisse des 2. Umweltratschlag und der Einberufung eines breiten Vorbereitungstreffens ca. 1 Jahr vor dem 3. Umweltratschlags, gestützt auf die Trägerorganisationen und aller weiteren Interessierten.

Kontakt zur Koordinierungsgruppe des Umweltratschlags: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Zum Download der Abschlusserklärung des 2. internationalen Umweltratschlags